Coolblue-Deutschlandchef Urs Möller: „Das Umsatzwachstum folgt automatisch“ – | Coolblue-Deutschlandchef Urs Möller: „Das Umsatzwachstum folgt automatisch“ | ChannelPartner
Urs Möller hat gut zu lachen: Der 32-jährige Manager sorgt in der Elektronkbranche mit der Deutschlandexpansion von Coolblue für viel Aufregung. Im ChannelPartner-Interview erklärt er seine StrategieCoolblue
ChannelPartner: Seit einem Jahr sind Sie als Country Manager Germany das deutsche Gesicht von Coolblue. Die Personalie war damals für einige überraschend: Sie waren erst 31 Jahre jung, hatten keinen spezifischen Background in der Elektronikbranche, sondern kamen aus der Unternehmensberatung. Was ist es, was Sie aus Ihrer Sicht dafür prädestiniert, die Deutschlandexpansion von Coolblue voranzutreiben?
Urs Möller: Vor meiner Zeit in der Beratung war ich neun Jahre in der OBI-Gruppe tätig. In dieser Zeit habe ich den kompletten Konzern kennengelernt, von einem Trainee-Programm in Asien über die Großhandels- und Eigenmarkenaktivitäten bis zum Service- und E-Commerce-Geschäft. Dabei konnte ich miterleben, wie im Einzelhandel ein Umdenken stattfand weg von einer einkaufsgetriebenen Sicht hin zu einer immer stärkeren Kundenzentrierung – einem Thema, das auch für Coolblue ganz zentral ist. In die Beratung bin ich dann bewusst gegangen, um noch einmal möglichst viele andere Unternehmen kennenzulernen. Dabei war ich stark damit beschäftigt, Wachstumsstrategien zu entwickeln und umzusetzen. Auch da gab es wieder starke Überschneidungen mit dem, was heute für Coolblue in Deutschland essenziell ist.
ChannelPartner: Coolblue-Gründer Pieter Zwart will erklärtermaßen bis 2029 in Deutschland die Umsatzmarke von zwei Milliarden Euro erreichen und dafür insgesamt 38 Stores und elf Lieferdepots eröffnen. Wie sehen Sie diese ehrgeizige Zielsetzung?
Urs Möller: Wir haben diese Vision und das ist etwas sehr starkes und richtiges. Im Unterschied zu deutschen Unternehmen, für die Pläne oft etwas sehr starres sind, ist die Kultur in den Niederlanden aber ein bisschen anders: Wir haben 2024 festgelegt, wo wir in fünf Jahren in Deutschland stehen wollen, aber wir beobachten aufmerksam die Realität, bleiben flexibel und passen unsere Pläne, da wo es nötig ist, auch entsprechend an. Wichtig ist für uns, dass wir 2025 bereits drei neue Stores – insgesamt betreiben wir damit sieben – und drei neue Logistikzentren eröffnet haben. Nun starten wir am 11. Dezember mit dem siebten Logistikzentrum in Berlin, womit wir unsere Reichweite in Deutschland bereits auf 40 Millionen potenzielle Kunden erweitert haben. Die Umsatzentwicklung folgt dem automatisch. Das Wichtigste ist dabei für uns, dass wir unseren Net Promoter Score – also die Weiterempfehlungsrate – kontinuierlich hochhalten. Wo es dann im nächsten Jahr für Coolblue in Deutschland weitergeht, werden wir sehen. Auch wenn wir heute dazu noch nichts Explizites sagen, ist dennoch klar, dass wir, um unsere Ziele zu erreichen, auch in Regionen wie München, Leipzig oder Stuttgart präsent sein müssen.
srcset=”https://b2b-contenthub.com/wp-content/uploads/2025/11/Coolblue_Schoenefeld.jpg?quality=50&strip=all 1600w, https://b2b-contenthub.com/wp-content/uploads/2025/11/Coolblue_Schoenefeld.jpg?resize=300%2C168&quality=50&strip=all 300w, https://b2b-contenthub.com/wp-content/uploads/2025/11/Coolblue_Schoenefeld.jpg?resize=768%2C432&quality=50&strip=all 768w, https://b2b-contenthub.com/wp-content/uploads/2025/11/Coolblue_Schoenefeld.jpg?resize=1024%2C576&quality=50&strip=all 1024w, https://b2b-contenthub.com/wp-content/uploads/2025/11/Coolblue_Schoenefeld.jpg?resize=1536%2C864&quality=50&strip=all 1536w, https://b2b-contenthub.com/wp-content/uploads/2025/11/Coolblue_Schoenefeld.jpg?resize=1240%2C697&quality=50&strip=all 1240w, https://b2b-contenthub.com/wp-content/uploads/2025/11/Coolblue_Schoenefeld.jpg?resize=150%2C84&quality=50&strip=all 150w, https://b2b-contenthub.com/wp-content/uploads/2025/11/Coolblue_Schoenefeld.jpg?resize=854%2C480&quality=50&strip=all 854w, https://b2b-contenthub.com/wp-content/uploads/2025/11/Coolblue_Schoenefeld.jpg?resize=640%2C360&quality=50&strip=all 640w, https://b2b-contenthub.com/wp-content/uploads/2025/11/Coolblue_Schoenefeld.jpg?resize=444%2C250&quality=50&strip=all 444w” width=”1024″ height=”576″ sizes=”auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px”>Ab 11. Dezember bedient Coolblue von einer 2.600 Quadratmeter großen Lagerfläche in Schönefeld nun auch 4,7 Millionen potenzielle Kunden im Raum Berlin mit seinem Next-Day-Liefer- und InstallationsserviceCoolblue
„Wir befinden uns in einem Verdrängungswettbewerb“
ChannelPartner: Die ambitionierten Wachstumsziele von Coolblue fallen in eine Phase, in der die etablierten Elektronikversender wie Notebooksbilliger, Cyberport und Alternate erstmals Rückgänge verbuchen müssen. Was bedeutet das für Coolblue?
Urs Möller: Auch wir sehen, dass die Umsätze der großen Elektronik-Onlinehändler eher heruntergehen. Das zeigt, dass es etwas in deren Geschäftsmodell gibt, was nicht mehr so gut mit den Kundenerwartungen zusammenpasst. Und wir sehen auch, dass wir uns in einem Verdrängungswettbewerb befinden: wenn wir unsere Wachstumsziele erreichen wollen, müssen andere Anbieter Umsatzanteile verlieren.
Was uns optimistisch macht, dass wir in diesem Wettbewerb zu den Gewinnern zählen werden, ist, dass unser Ansatz kein reines E-Commerce-Modell ist, sondern ein Omnichannel-Ansatz – und das ist genau das, was die Kunden wollen. Wir haben uns sehr viele Datenpunkte angeschaut, bevor wir in diesem Jahr unser Expansionstempo noch einmal beschleunigt haben. Und sehen, dass wenn wir in Regionen neue Stores und Logistikzentren eröffnen, sich dort unser Online-Umsatz verdoppelt. Und dazu kommen dann noch einmal die direkten Store-Umsätze. Indem wir bei unserer Expansion weiter auf ein hohes Servicelevel, auf Kundenzufriedenheit und Verlässlichkeit achten, sind wir sehr zuversichtlich, dass wir weitere Marktanteile gewinnen werden. Was den Vergleich mit stationären Wettbewerbern betrifft, besteht unser struktureller Vorteil darin, dass wir mit dem Online-Geschäft groß geworden sind. Wir setzen nicht auf möglichst viele Stores, sondern gezielt auf Standorte, an denen ein Store die Online Customer Journey ergänzt und so nachhaltig Wert schafft. Und schließlich ist unser Liefermodell für Großgeräte zum Wunschtermin ab dem nächsten Werktag durch eigene Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen noch ein weiteres Unterscheidungsmerkmal: Die Lieferung ist für uns kein zusätzlicher Service, sondern ein Kernbestandteil der Customer Journey – wo bekommen die Kunden das sonst? Aus all diesen Gründen bin ich deshalb sicher, dass wir in Deutschland weiter stark wachsen werden.
ChannelPartner: Auch Coolblue muss bei seiner Expansionsstrategie auf die anhaltend schwache Konsumlaune Rücksicht nehmen. Wie wollen Sie sich hier vom Gesamtmarkt absetzen und eigene Nachfrageanreize schaffen?
Urs Möller: Wir kommunizieren schnell und humorvoll, mit einem hohen Wiedererkennungswert und wollen die Kundenerwartungen nicht nur erreichen, sondern übertreffen. Wir möchten nicht dadurch wachsen, dass wir heute in margenschwache Umsätze investieren, sondern indem wir langfristig Kundenzufriedenheit schaffen.
Ein weiterer Hebel ist für Coolblue, dass wir mit den Stores und den Logistikzentren unsere eigene Infrastruktur bauen. Damit können wir langfristig ein starkes Kundenversprechen geben – zum Beispiel die Next-Day-Lieferung von Weißer Ware. Wenn Ihre Waschmaschine heute kaputt ist und Sie waschen müssen, wollen sie schließlich nicht drei Tage warten, bis eine neue geliefert ist!
Anfang November eröffnete Coolblue-Chef Möller in Hannover den mittlerweile siebten Store des Elektronikversenders in DeutschlandCoolblue
„Wir denken zu 100 Prozent daran, was der Kunde möchte“
ChannelPartner: Die Zugkraft des Themas Lieferung ist auch den Wettbewerbern nicht verborgen geblieben. MediaMarktSaturn liebäugelt mit dem Aufbau eigener Schnelllieferservices und Verbundgruppen wie ElectronicPartner wollen die Servicekapazitäten ihrer Händler bündeln und ins Netz bringen. Wie sicher ist der Wettbewerbsvorteil von Coolblue?
Urs Möller: Oft sind es unterschiedliche interne, unternehmenskulturelle Gründe, die verhindern, dass andere ähnliche Services anbieten wie Coolblue. Ich denke, wenn Wettbewerber so einfach unseren Lieferservice kopieren könnten, hätten sie das schon längst gemacht. Aber auch wenn wir an einigen Stellen kopiert werden, ist es für uns entscheidend, dass wir weiter auf unsere Kundinnen und Kunden schauen, immer vorne bleiben und schon vorausdenken, was morgen wichtig ist. Ein gutes Beispiel dafür ist die Willkommenssäule am Eingang unserer Stores, wo wir die Kunden als erstes Fragen, wie wir ihnen am besten helfen können. In den Niederlanden war das im Einzelhandel auch erst neu und heute geht dort jeder Kunde gleich zur Willkommenssäule. Denn wir denken zu 100 Prozent daran, was der Kunde möchte und deshalb sind wir auch so exzessiv vernarrt in den Net Promoter Score.
ChannelPartner: Was sind darüber hinaus konkrete Bereiche, in denen Coolblue seine Unterscheidungsmerkmale zu den Wettbewerbern künftig weiter ausbauen will?
Urs Möller: Ein Kernthema ist hier der Bereich Lieferung. Die Paketzustellung durch unsere eigenen Fahrradkuriere ist spannend. Denn in den Städten gibt es immer mehr Verkehr, der zu einem zunehmenden Problem für klassische Lieferfahrzeuge wird und da ist die Fahrradzustellung ein Punkt, der in der Customer Journey wirklich hilft. Ein anderer wichtiger Aspekt ist für uns, wie freundlich unsere Liefermitarbeitenden sind. Der Lieferservice ist unser täglicher direkter Kontakt zu den Kunden und deshalb ist es für uns zentral, dass unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen freundlich sind und fragen ‚Darf ich eintreten?‘ – schließlich ist das Haus oder die Wohnung der intime Bereich des Kunden. In den Stores sind es dann Details wie die Spiegel, die wir in dem Bereich mit den Kopfhörern angebracht haben, damit die Kunden nicht nur den Klang hören, sondern auch sehen können, wie ihnen das Modell steht. Das sind viele Kleinigkeiten, die wir besser machen als andere Händler. Und schließlich arbeiten wir auch an Themen wie Abholfächern in unseren Stores oder das passende Produkte auf unserer Homepage noch leichter auffindbar werden.
ChannelPartner: Bei Themen wie Produkt-Discovery und Online-Beratung werben ja einige Ihrer Wettbewerber öffentlichkeitswirksam mit KI-Pilotprojekten. Von Coolblue war dazu bisher noch nichts zu hören…
Urs Möller: Das liegt daran, dass wir darüber nicht so viel reden. Aber auch bei uns bekommen die Kunden einen digitalen Spezialisten angezeigt, der ihnen hilft, das gewünschte Produkt besser zu finden. Uns ist bei solchen KI-Lösungen aber die menschliche Komponente sehr wichtig. So haben wir beim Aufbau des Spezialisten mit viel menschlichem Input darauf geachtet, dass eine humorvolle Konversation entsteht, die zum Auftreten von Coolblue passt. KI darf nie zum Selbstzweck werden, sondern die Kernfrage ist immer: Was hilft dabei, das Einkaufserlebnis der Kunden wirklich zu verbessern?
Er gründete Coolblue 1999 in den Niederlanden: Pieter Zwart setzt alles auf die Expansion nach DeutschlandCoolblue
„Im B2B-Geschäft Fuß zu fassen ist sehr wichtig für uns“
ChannelPartner: Ein Thema, das Coolblue kürzlich in Deutschland erstmals in den Fokus genommen hat, ist der B2B-Bereich. Wie ernst ist es Ihnen mit dieser Schwerpunktsetzung?
Urs Möller: Es ist sehr wichtig für uns, in Deutschland auch in diesem Bereich Fuß zu fassen. In den Niederlanden ist der B2B-Anteil von Coolblue in einzelnen Bereichen sehr signifikant. Wir setzen dabei auf einen klar Online-fokussierten Ansatz. Wir können für jedes Unternehmen einen Shop mit einem eigenen kuratierten Sortiment aufsetzen inklusive automatisierter Abrechnung mit den dahinterliegenden Budgets der einzelnen Mitarbeiter. Damit können wir beispielsweise ganze Unternehmen mit Company Phones ausstatten und zu jedem Mitarbeitenden distribuieren. Damit vereinen wir Großhandels- und Einzelhandelsfähigkeiten – das sind Mehrwerte, die andere nicht haben und die wir auch nach Deutschland bringen wollen.
ChannelPartner: Auch hier verfolgt Coolblue also eine ehrgeizige Zielsetzung. Nicht selten erinnern der Ansatz und die Ambitionen von Coolblue dabei an die letztlich an den Kosten gescheiterte Deutschlandexpansion von AO.com. Was spricht dafür, dass Coolblue den nötigen langen Atem hat, um das Deutschlandgeschäft in die gewünschte Größe – und auch in die Schwarzen Zahlen – zu führen?
Urs Möller: Hinter unserer Expansion steht ein sehr detaillierter Finanzierungsplan. Und auch, dass unser Gründer Pieter Zwart dafür seinen Mehrheitsanteil an Coolblue verkauft hat, zeigt dass er in die Deutschlandexpansion volles Vertrauen hat. Natürlich ist die Expansion nach Deutschland ein Experiment, da muss man sich nichts vormachen. Aber eines, das Coolblue schon lange geplant hat und das sich sehr positiv entwickelt. Deshalb sind wir auch zuerst in Nordrhein-Westfalen gestartet, um den Beweis zu bekommen, dass es wirklich funktioniert. Was die Profitabilität betrifft, gibt es klare Zielsetzungen, diese teilen wir aber nur mit unseren Shareholdern. Was ich Ihnen sagen kann, ist, dass wir sicher sind, dass auch unser Geschäft in Deutschland profitabel sein wird. In den Niederlanden und in Belgien ist es das bereits seit Jahren und dort haben wir weiter ein superstarkes Geschäft, so dass das nötige Geld vorhanden ist, um unser Wachstum in Deutschland weiter voranzutreiben.

Coolblue
ChannelPartner: Seit einem Jahr sind Sie als Country Manager Germany das deutsche Gesicht von Coolblue. Die Personalie war damals für einige überraschend: Sie waren erst 31 Jahre jung, hatten keinen spezifischen Background in der Elektronikbranche, sondern kamen aus der Unternehmensberatung. Was ist es, was Sie aus Ihrer Sicht dafür prädestiniert, die Deutschlandexpansion von Coolblue voranzutreiben?
Urs Möller: Vor meiner Zeit in der Beratung war ich neun Jahre in der OBI-Gruppe tätig. In dieser Zeit habe ich den kompletten Konzern kennengelernt, von einem Trainee-Programm in Asien über die Großhandels- und Eigenmarkenaktivitäten bis zum Service- und E-Commerce-Geschäft. Dabei konnte ich miterleben, wie im Einzelhandel ein Umdenken stattfand weg von einer einkaufsgetriebenen Sicht hin zu einer immer stärkeren Kundenzentrierung – einem Thema, das auch für Coolblue ganz zentral ist. In die Beratung bin ich dann bewusst gegangen, um noch einmal möglichst viele andere Unternehmen kennenzulernen. Dabei war ich stark damit beschäftigt, Wachstumsstrategien zu entwickeln und umzusetzen. Auch da gab es wieder starke Überschneidungen mit dem, was heute für Coolblue in Deutschland essenziell ist.
ChannelPartner: Coolblue-Gründer Pieter Zwart will erklärtermaßen bis 2029 in Deutschland die Umsatzmarke von zwei Milliarden Euro erreichen und dafür insgesamt 38 Stores und elf Lieferdepots eröffnen. Wie sehen Sie diese ehrgeizige Zielsetzung?
Urs Möller: Wir haben diese Vision und das ist etwas sehr starkes und richtiges. Im Unterschied zu deutschen Unternehmen, für die Pläne oft etwas sehr starres sind, ist die Kultur in den Niederlanden aber ein bisschen anders: Wir haben 2024 festgelegt, wo wir in fünf Jahren in Deutschland stehen wollen, aber wir beobachten aufmerksam die Realität, bleiben flexibel und passen unsere Pläne, da wo es nötig ist, auch entsprechend an. Wichtig ist für uns, dass wir 2025 bereits drei neue Stores – insgesamt betreiben wir damit sieben – und drei neue Logistikzentren eröffnet haben. Nun starten wir am 11. Dezember mit dem siebten Logistikzentrum in Berlin, womit wir unsere Reichweite in Deutschland bereits auf 40 Millionen potenzielle Kunden erweitert haben. Die Umsatzentwicklung folgt dem automatisch. Das Wichtigste ist dabei für uns, dass wir unseren Net Promoter Score – also die Weiterempfehlungsrate – kontinuierlich hochhalten. Wo es dann im nächsten Jahr für Coolblue in Deutschland weitergeht, werden wir sehen. Auch wenn wir heute dazu noch nichts Explizites sagen, ist dennoch klar, dass wir, um unsere Ziele zu erreichen, auch in Regionen wie München, Leipzig oder Stuttgart präsent sein müssen.
Coolblue
„Wir befinden uns in einem Verdrängungswettbewerb“
ChannelPartner: Die ambitionierten Wachstumsziele von Coolblue fallen in eine Phase, in der die etablierten Elektronikversender wie Notebooksbilliger, Cyberport und Alternate erstmals Rückgänge verbuchen müssen. Was bedeutet das für Coolblue?
Urs Möller: Auch wir sehen, dass die Umsätze der großen Elektronik-Onlinehändler eher heruntergehen. Das zeigt, dass es etwas in deren Geschäftsmodell gibt, was nicht mehr so gut mit den Kundenerwartungen zusammenpasst. Und wir sehen auch, dass wir uns in einem Verdrängungswettbewerb befinden: wenn wir unsere Wachstumsziele erreichen wollen, müssen andere Anbieter Umsatzanteile verlieren.
Was uns optimistisch macht, dass wir in diesem Wettbewerb zu den Gewinnern zählen werden, ist, dass unser Ansatz kein reines E-Commerce-Modell ist, sondern ein Omnichannel-Ansatz – und das ist genau das, was die Kunden wollen. Wir haben uns sehr viele Datenpunkte angeschaut, bevor wir in diesem Jahr unser Expansionstempo noch einmal beschleunigt haben. Und sehen, dass wenn wir in Regionen neue Stores und Logistikzentren eröffnen, sich dort unser Online-Umsatz verdoppelt. Und dazu kommen dann noch einmal die direkten Store-Umsätze. Indem wir bei unserer Expansion weiter auf ein hohes Servicelevel, auf Kundenzufriedenheit und Verlässlichkeit achten, sind wir sehr zuversichtlich, dass wir weitere Marktanteile gewinnen werden. Was den Vergleich mit stationären Wettbewerbern betrifft, besteht unser struktureller Vorteil darin, dass wir mit dem Online-Geschäft groß geworden sind. Wir setzen nicht auf möglichst viele Stores, sondern gezielt auf Standorte, an denen ein Store die Online Customer Journey ergänzt und so nachhaltig Wert schafft. Und schließlich ist unser Liefermodell für Großgeräte zum Wunschtermin ab dem nächsten Werktag durch eigene Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen noch ein weiteres Unterscheidungsmerkmal: Die Lieferung ist für uns kein zusätzlicher Service, sondern ein Kernbestandteil der Customer Journey – wo bekommen die Kunden das sonst? Aus all diesen Gründen bin ich deshalb sicher, dass wir in Deutschland weiter stark wachsen werden.
ChannelPartner: Auch Coolblue muss bei seiner Expansionsstrategie auf die anhaltend schwache Konsumlaune Rücksicht nehmen. Wie wollen Sie sich hier vom Gesamtmarkt absetzen und eigene Nachfrageanreize schaffen?
Urs Möller: Wir kommunizieren schnell und humorvoll, mit einem hohen Wiedererkennungswert und wollen die Kundenerwartungen nicht nur erreichen, sondern übertreffen. Wir möchten nicht dadurch wachsen, dass wir heute in margenschwache Umsätze investieren, sondern indem wir langfristig Kundenzufriedenheit schaffen.
Ein weiterer Hebel ist für Coolblue, dass wir mit den Stores und den Logistikzentren unsere eigene Infrastruktur bauen. Damit können wir langfristig ein starkes Kundenversprechen geben – zum Beispiel die Next-Day-Lieferung von Weißer Ware. Wenn Ihre Waschmaschine heute kaputt ist und Sie waschen müssen, wollen sie schließlich nicht drei Tage warten, bis eine neue geliefert ist!

Coolblue
„Wir denken zu 100 Prozent daran, was der Kunde möchte“
ChannelPartner: Die Zugkraft des Themas Lieferung ist auch den Wettbewerbern nicht verborgen geblieben. MediaMarktSaturn liebäugelt mit dem Aufbau eigener Schnelllieferservices und Verbundgruppen wie ElectronicPartner wollen die Servicekapazitäten ihrer Händler bündeln und ins Netz bringen. Wie sicher ist der Wettbewerbsvorteil von Coolblue?
Urs Möller: Oft sind es unterschiedliche interne, unternehmenskulturelle Gründe, die verhindern, dass andere ähnliche Services anbieten wie Coolblue. Ich denke, wenn Wettbewerber so einfach unseren Lieferservice kopieren könnten, hätten sie das schon längst gemacht. Aber auch wenn wir an einigen Stellen kopiert werden, ist es für uns entscheidend, dass wir weiter auf unsere Kundinnen und Kunden schauen, immer vorne bleiben und schon vorausdenken, was morgen wichtig ist. Ein gutes Beispiel dafür ist die Willkommenssäule am Eingang unserer Stores, wo wir die Kunden als erstes Fragen, wie wir ihnen am besten helfen können. In den Niederlanden war das im Einzelhandel auch erst neu und heute geht dort jeder Kunde gleich zur Willkommenssäule. Denn wir denken zu 100 Prozent daran, was der Kunde möchte und deshalb sind wir auch so exzessiv vernarrt in den Net Promoter Score.
ChannelPartner: Was sind darüber hinaus konkrete Bereiche, in denen Coolblue seine Unterscheidungsmerkmale zu den Wettbewerbern künftig weiter ausbauen will?
Urs Möller: Ein Kernthema ist hier der Bereich Lieferung. Die Paketzustellung durch unsere eigenen Fahrradkuriere ist spannend. Denn in den Städten gibt es immer mehr Verkehr, der zu einem zunehmenden Problem für klassische Lieferfahrzeuge wird und da ist die Fahrradzustellung ein Punkt, der in der Customer Journey wirklich hilft. Ein anderer wichtiger Aspekt ist für uns, wie freundlich unsere Liefermitarbeitenden sind. Der Lieferservice ist unser täglicher direkter Kontakt zu den Kunden und deshalb ist es für uns zentral, dass unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen freundlich sind und fragen ‚Darf ich eintreten?‘ – schließlich ist das Haus oder die Wohnung der intime Bereich des Kunden. In den Stores sind es dann Details wie die Spiegel, die wir in dem Bereich mit den Kopfhörern angebracht haben, damit die Kunden nicht nur den Klang hören, sondern auch sehen können, wie ihnen das Modell steht. Das sind viele Kleinigkeiten, die wir besser machen als andere Händler. Und schließlich arbeiten wir auch an Themen wie Abholfächern in unseren Stores oder das passende Produkte auf unserer Homepage noch leichter auffindbar werden.
ChannelPartner: Bei Themen wie Produkt-Discovery und Online-Beratung werben ja einige Ihrer Wettbewerber öffentlichkeitswirksam mit KI-Pilotprojekten. Von Coolblue war dazu bisher noch nichts zu hören…
Urs Möller: Das liegt daran, dass wir darüber nicht so viel reden. Aber auch bei uns bekommen die Kunden einen digitalen Spezialisten angezeigt, der ihnen hilft, das gewünschte Produkt besser zu finden. Uns ist bei solchen KI-Lösungen aber die menschliche Komponente sehr wichtig. So haben wir beim Aufbau des Spezialisten mit viel menschlichem Input darauf geachtet, dass eine humorvolle Konversation entsteht, die zum Auftreten von Coolblue passt. KI darf nie zum Selbstzweck werden, sondern die Kernfrage ist immer: Was hilft dabei, das Einkaufserlebnis der Kunden wirklich zu verbessern?

Coolblue
„Im B2B-Geschäft Fuß zu fassen ist sehr wichtig für uns“
ChannelPartner: Ein Thema, das Coolblue kürzlich in Deutschland erstmals in den Fokus genommen hat, ist der B2B-Bereich. Wie ernst ist es Ihnen mit dieser Schwerpunktsetzung?
Urs Möller: Es ist sehr wichtig für uns, in Deutschland auch in diesem Bereich Fuß zu fassen. In den Niederlanden ist der B2B-Anteil von Coolblue in einzelnen Bereichen sehr signifikant. Wir setzen dabei auf einen klar Online-fokussierten Ansatz. Wir können für jedes Unternehmen einen Shop mit einem eigenen kuratierten Sortiment aufsetzen inklusive automatisierter Abrechnung mit den dahinterliegenden Budgets der einzelnen Mitarbeiter. Damit können wir beispielsweise ganze Unternehmen mit Company Phones ausstatten und zu jedem Mitarbeitenden distribuieren. Damit vereinen wir Großhandels- und Einzelhandelsfähigkeiten – das sind Mehrwerte, die andere nicht haben und die wir auch nach Deutschland bringen wollen.
ChannelPartner: Auch hier verfolgt Coolblue also eine ehrgeizige Zielsetzung. Nicht selten erinnern der Ansatz und die Ambitionen von Coolblue dabei an die letztlich an den Kosten gescheiterte Deutschlandexpansion von AO.com. Was spricht dafür, dass Coolblue den nötigen langen Atem hat, um das Deutschlandgeschäft in die gewünschte Größe – und auch in die Schwarzen Zahlen – zu führen?
Urs Möller: Hinter unserer Expansion steht ein sehr detaillierter Finanzierungsplan. Und auch, dass unser Gründer Pieter Zwart dafür seinen Mehrheitsanteil an Coolblue verkauft hat, zeigt dass er in die Deutschlandexpansion volles Vertrauen hat. Natürlich ist die Expansion nach Deutschland ein Experiment, da muss man sich nichts vormachen. Aber eines, das Coolblue schon lange geplant hat und das sich sehr positiv entwickelt. Deshalb sind wir auch zuerst in Nordrhein-Westfalen gestartet, um den Beweis zu bekommen, dass es wirklich funktioniert. Was die Profitabilität betrifft, gibt es klare Zielsetzungen, diese teilen wir aber nur mit unseren Shareholdern. Was ich Ihnen sagen kann, ist, dass wir sicher sind, dass auch unser Geschäft in Deutschland profitabel sein wird. In den Niederlanden und in Belgien ist es das bereits seit Jahren und dort haben wir weiter ein superstarkes Geschäft, so dass das nötige Geld vorhanden ist, um unser Wachstum in Deutschland weiter voranzutreiben.